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Grand Unified Theory
Christian Schreckenberger

Einladung zum virtuellen Atelierbesuch und Künstlergespräch:
der vorgesehene Termin vom 22. Mai 2020 verschiebt sich aus organisatorischen Gründen um ca. 2 Wochen.
Wir informieren HIER und über unseren Newsletter.

Mit dem Titel Grand Unified Theory, den Christian Schreckenberger lange vor der Corona-Krise für seine Ausstellung im Duisburger Kunstverein wählte, sind unversehens aktuelle Deutungen möglich und vielleicht sogar zwingend geworden. Etwa:

Leben wir nicht in der einen Welt?
Ist sie aus den Fugen?
Was hält die Welt zusammen? Eine metaphysische, physikalische oder moralische Weltformel?
Was ist das Wesen der Dinge?
Wird die Natur sich versöhnen – mit dem Menschen?

Wir freuen uns sehr über Christian Schreckenbergers Bereitschaft, mit uns die neue Lage der Dinge zur Konzeption einer ‚anderen‘, einer virtuellen, visuellen und medialen Ausstellungskonzeption zu nutzen.
Doch zunächst, was soll in diesen Tagen ein Künstler mit dem Hauptprotagonisten des Kunstvereins anfangen, mit dem „gottverlassenen leeren Raum“?
Könnte vielleicht der Gedanke naheliegen, diesen Raum und damit die neue Zeit mit und nach Corona mit einer Performance wieder und nun in neuer Weise aufzuschließen, vielleicht eine Wieder-Belebung und gar Wieder-Beseelung auszuagieren?


Performance von Christian Schreckenberger zum 15. Mai 2020 in der großen Ausstellungshalle des Kunstvereins.

Wie Schüsse knallen die Sektkorken durch eine leere Halle.

In der Mitte einer beträchtlichen Auswahl bester bis billiger Sorten sitzt der Künstler wie am Straßenrand an eine Wand gelehnt und vollzieht gradlinig, ohne Feierlichkeit das Ritual der Flaschenöffnung.

Der eine oder andere Schluck kommt dabei herum, da die Flaschen überschäumen, wobei sich die eine, in festlichen Karton verpackt, besonders widerspenstig zeigt.

Der Hall verfliegt, Unschlüssigkeit und Ratlosigkeit mischen sich ein. Eine Corona-Party, allein und im leeren Raum?

Schrittweise finden sich einige, nach der letzten Ausstellung zurückgelassene Gegenstände, eine Wanne, ein Reinigungsgerät, ein Stromanschluss – und der neuen Zeit wird der Weg bereitet …



Was also hält die Welt zusammen? Worin besteht die „Grand Unified Theory“?

Eine Spur dorthin legt Figur, ein Gefüge von kongruenten, überlappenden, recht genau (soll man sagen ‚exakt‘?) aufeinander abgestimmten Formen, deren Sinn genau darin, in der Zusammenpassung zu bestehen scheint und die erst dadurch die ganze Figur bilden.
Man könnte an ein Puzzle denken, zu dem auch die Zweidimensionalität des Materials, einer Hartfaserplatte, passt: Was als Form, als Figur bleibt, ist allerdings allein durch Ausschneiden und Wegnehmen erreichbar, eine Tätigkeit, die zur Dreidimensionalität, von den Umrissen einer Figur zu Raum, etwa zur Raumtiefe und den Rundungen einer Skulptur drängt.
Während einen die Vorstellungskraft vielleicht entführt in die Weiten des Weltraums mit seinen fliegenden Gesteinsklumpen, zu einem Betonfragment mit eingeschlossenem Metallteil oder nur zu einer Kartoffel, die an Stelle des Betons dieses Metallteil biologisch umschlossen hat – während all das geschieht, verhakt sich der Blick ins Zusammenwachsen von freier (runder) Natur und menschlicher (begradigenden) Kultur – und ob sie wirklich zum Zusammenpassen bestimmt sind?
Vielleicht haben sich das auch schon jene Menschen gefragt, die vor Tausenden von Jahren riesige Form- und Linienbilder in die Landschaft gruben? Oder bewegen wir uns auf den Trampelpfaden, die Generationen in die Landschaft imprägniert haben? Kehren wir also besser ins Zweidimensionale zurück – zur Anlage eines Botanischen Gartens, eines Stadtparks (oder war es doch eine Kiesgrube?).

Christian Schreckenbergers Formexperimente loten die Bedingungen der menschlichen Wahrnehmung, der menschlichen Erfahrung und Begrenztheit aus. „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“ – heißt es bei Wittgenstein. Schreckenberger wandelt den Gedanken ab oder erweitert ihn: Die Wahrnehmung von Formen bedeuten die Grenzen meiner Welt – was sich jenseits der schwarzen Figur im Weiß befindet, wissen wir nicht …

Figur
Hartfaser, Lack; 160 x 180 cm
Foto: Johannes Bendzulla 2020


Zu Besuch im Atelier

Im Gespräch bestätigt Christian Schreckenberger die assoziativ-intuitive Anlage seiner Werke, die Bedeutung von archetypischen Zeichen und Formen, seine Versuche der „Generalisierung“ und sein Ziel, über diese Zeichen und Formen „Anlässe des Staunens“ zu schaffen.
Der Titel der Ausstellung - Grand Unified Theory – ist, das gibt Schreckenberger zu, natürlich eine Übertreibung. Der Begriff soll auch nicht als anmaßende Behauptung verstanden werden. Eher geht es um die Sehnsucht nach dem Finden einer Weltharmonie, um die Annäherung an eine ‚Weltformel‘, um die Überwindung oder Verschränkung des Disparaten, um die Verstricktheit der Teile.

Was es mit „Kritzeln“ auf sich hat, was Corona mit Künstlern und ihrem Schaffen macht und was Champagner mit dem Kunstverein im Weidenweg und mit Samuel Beckett zu tun hat, wird sich im Werkstattgespräch erschließen, zu dem Christian Schreckenberger die Kuratorin Sabine Bazan und Jobst Paul in sein Atelier nach Düsseldorf eingeladen hat.

Christian Schreckenberger, Vita >>> | Web >>>
Kuratur: Sabine Bazan, Texte: Jobst Paul





Mitglieder des Kunstverein Duisburg stellen aus
augenblicke | Thorsten Kasel | 6. März - 28. Juni 2020


Put me out of my misery!, 2020

Zur Kunst von Thorsten Kasel
[...] Thorsten Kasel bearbeitet das öffentliche Gesicht des Privaten, mit dem wir uns (all-)täglich präsentieren und inszenieren – ob in der realen Welt oder in Form eines „Doubles“ mittels Fotografie oder Videotechnik. [...]
Thorsten Kasel treibt ein Spiel mit dem „da sein“ und „nicht da sein“, mit Körperlichkeit und Abbild, mit dem „Double“ der Fotografie und der Materialität von Leinwand und Farbpigment. Der Vermischung von Realität und virtueller Welt, von privater Sphäre und Öffentlichkeit entspricht auch sein Werkprozess, in dem er die digitale Technik mit dem Handwerk der Malerei selbstverständlich verbindet. [...] Sabine Bazan
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