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Angesichter 5.0
ALI ZÜLFIKAR
18. Januar - 16. Februar 2020


Es sprachen: Herbert Gorba, Thomas Krützberg
Einführung in die Ausstellung: Jannine Koch


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  • Detail
  • Ali Zülfikar
  • Kuratorin Janinne Koch und Ali Zülfikar
  • Betrachter

„Es sind wahre Geschichten“ – Ali Zülfikar im Gespräch im Duisburger Kunstverein

Am gestrigen Sonntag, 9. Februar 2020 um 12 Uhr fand ein Gespräch zwischen dem Künstler Ali Zülfikar und Jannine Koch, Kuratorin der aktuellen Ausstellung „Angesichter 5. 0“ statt. Die Ausstellung präsentiert Arbeiten des Künstlers, die seit 2014 entstanden sind. Die meist überlebensgroßen Porträts zeigen – meist in Bleistift auf Leinwand - nicht nur Freunde oder Bekannte des Künstlers, sondern auch Vorbilder, Fremde oder – von besonderer Brisanz – Politiker wie Erdogan oder Angela Merkel.

Gewiss – wer sich Portraits leisten kann, zumal von sich selbst, will etwas darstellen, im eigentlichen Sinn. Doch damit haben Ali Zülfikars Portraitzeichnungen nichts zu tun: Vielmehr haben sie sich dem Künstler aus anderen Gründen aufgedrängt, aus Gründen, von denen er am Sonntag im Duisburger Kunstverein berichtete.

Dabei wurde vor allem eines deutlich: Zülfikars mitfühlender Blick auf Menschen in Momenten des Erstaunens, der Freude, Zuneigung, Skepsis oder Stille ist von eigenem Betroffensein erfüllt, von dem, „was ich erlebt habe“ – von einer Botschaft, welcher der Betrachter unwillkürlich und meditierend nachspürt. So berichtete der Künstler im Gespräch von Opfern des syrischen Bürgerkriegs, von ermordeten Freunden in der Türkei, von seiner eigenen Verfolgungs- und Vertreibungsgeschichte und all jenen Emotionen, die ihm keine andere Wahl lassen, als sie in seine eigene Kunst einzuschreiben.

Besonders interessierte die Besucher im Kunstverein jedoch jene Zeichnung des türkischen Machthabers Erdogan, dessen Porträtierung für Zülfikar eine kritische Auseinandersetzung mit dessen Politik und Unmenschlichkeit darstellt. Das Etikett eines ‚politischen‘ Künstlers lehnt Zülfikar trotz allem ausdrücklich ab. Vielmehr dränge ihn das Unrecht und Leiden der Menschen, die Opfer dieser Politik geworden sind, zur Verbildlichung. Auch er selbst war in der Türkei Anfeindungen ausgesetzt und saß mehrfach in Untersuchungshaft, bevor er nach Deutschland kam. Doch hier musste er schmerzhaft erfahren, wie sehr Politik und Medien auch in Deutschland dem politischen Druck aus Ankara erliegen. So wurde in einer Ausstellung in Linz am Rhein sein Porträt von Erdogan aus Furcht vor politischen Reaktionen sogar abgehängt. Nicht zuletzt mit aktuellem Blick auf die Ereignisse in Thüringen meint daher der Künstler: „Es geht weiter, wenn man als Künstler nichts dazu sagt.“

Umso verdienstvoller, dass sich die Duisburger Ausstellungsmacher hinter die künstlerische Arbeit Zülfikar stellen und damit das diesjährige Anliegen des Kunstvereins einlösen, „gesellschaftlich relevante Kunst“ zu zeigen. Hinter dieses Motto und die neue Dynamik des Kunstvereins stellte sich auch der scheidende Duisburger Kulturdezernent, Thomas Krützberg: Der Kunstverein habe sich „im städtischen Kulturleben, in der hiesigen bildenden Kunstszene mit den Museen, Kunsthallen, Galerien, Künstler- und Atelierhäusern nachhaltig positioniert“. Er sei „ein wichtiger, weil innovativer und inspirierender Bestandteil“ und „inzwischen unverzichtbar für das kulturelle, aber auch das soziale Leben“ in Duisburg geworden.

Ali Zülfikar >>>>

Die Ausstellung ist noch bis zum 16. Februar 2020 im Kunstverein Duisburg, Weidenweg 10, zu sehen. (jop)