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Temporary Joined Presence
Salomé Berger, Malte Frey, Ilsuk Lee, Sandra Pulina
25. September - 30. Oktober 2020


Die Ausstellung Temporary Joined Presence war das Ergebnis eines 8-wöchigen Arbeitsstipendiums, ausgelobt vom Kunstverein Duisburg, das vier junge Künstler*innen (Salomé Berger, Malte Frey, Ilsuk Lee und Sandra Pulina) die alle an der Kunstakademie Münster studiert haben bzw. in den Abschlussklassen sind, erhalten haben.

Die Frage nach dem Umgang mit dem klassischen Tafelbild, der Wandmalerei, Malerei-Installation sowie der Fotografie war zentral für die Arbeiten der Stipendiat*innen. Daraus resultierte ein spannender Dialog innerhalb der Disziplinen und darüber hinaus. Die Ausstellung zeigte vier innovative Positionen welche sich alle den Fragen und der Aktualität ihres Mediums stellen und inhaltlich differente, gesellschaftliche Themen behandelten.


Peter Withof im Gespräch mit Malte Frey

Peter: Mein Blick trifft auf einen Unterzug und wandert über eine stützende Säule herab in den Ausstellungsraum. Er fällt auf bemalte Flächen, die an das üppige Motivangebot eines Wimmelbuches erinnern. Malte, was sagt das über Dein Leben und Deine Arbeit aus?

Malte: Über mein Leben wahrscheinlich einiges. Meine Motive entstammen dem persönlichen Alltag. Sie betreffen Dinge, die ich gesehen habe, auch einige, die mir alltäglich begegnen könnten…

Peter: Mit Strichen geteilte und Xen markierte Bildfenster fallen als Elemente Deiner Bildgestalt auf. Malte, wie entstehen Deine Bilder und wann sind sie für Dich ausstellungsreif?

Malte: Eine Vielmotivik mit innerbildlichen Begrenzungen definiert meinen Bildbegriff. Ich arbeite mit einem fotografischen Archiv. Umherlaufenderweise suche ich mir die Dinge, die mich interessieren. Die setze ich zueinander und schaffe so einen Kontext der Bilder zueinander.
Gedanklich ausstellungsreif sind meine Bilder bereits, bevor ich sie materialisiere – allerdings noch nicht sichtbar. Aber dennoch: alle Konzepte scheitern an der Realität und es passiert immer noch etwas während des Malprozesses. Dann versuche ich, die Spuren von Fehlern sichtbar zu belassen.

Peter: Als Artists-in-Residence habt Ihr zu viert über Wochen für die gemeinsame Ausstellung vor Ort gearbeitet, sie zusammengestellt und aufgebaut. Deine Werke finden sich neben den konzeptionell individuell und unterschiedlich positionierten malerischen Bildern von Sandra und Salomé, sowie den kinetisch anmutenden Fotografien von Ilsuk. Was denkst Du?

Malte: Die Bilder von Sandra, Salomé, Ilsuk und mir sollten als prägnant gezeigte Positionen in ihrer Zusammenschau, aber auch als einzelne Werke unseren Auftritt bestimmen. Zunächst hatte ich befürchtet, dass die Wandmalerei eine sehr bestimmende Wirkung entfalten könnte. Ich habe die Säule dann allseitig bemalt, um mich auf diese Weise von der wandbezogenen Hängung unserer Bilder abzusetzen. Sie wurde so gleichermaßen Wandbild und plastisch anmutender Körper im Raum. So blieb allen wandbezogenen Arbeiten ein großer Wirkraum und ich denke, die Arbeiten ergänzen sich nun sehr gut.

Peter: Malte, was nehmt Ihr mit, wenn Ihr nach dem Ausstellungsende wieder individuellere Wege gehen werdet?

Malte: Im Ergebnis trafen im Kunstverein Duisburg persönlich ausgeformte Positionierungen aufeinander, die wir mit unserem Ausstellungsaufbau sichtbar und unterscheidbar zusammentragen wollten. Dass wir während unserer gemeinsamen Zeit im Kunstverein Duisburg konstruktive Gespräche und Absprachen über unseren gemeinsamen Auftritt hatten, werden wir als eine uns spannend-bereichernde Erfahrung mitnehmen. Ich denke, dass das sinngemäß für uns alle gilt, die wir zu diesem Prozess eingeladen wurden. Ganz persönlich nehme ich mit, dass ein raumgreifender Eingriff innerhalb eines gemeinsamen Aktionsfeldes ein Weg sein kann, um das Tafelbild neu zu denken und den Ausstellungsort spezifisch in den Blick zu nehmen.

Malte, ich danke Dir für das Gespräch.


Instagram Live: So 27. September ab 14h
@kunstvereinduisburg
@_salomeberger
@malte.frey
@sandra.pulina






Raumgreifend
Eine Ausstellung der Freien Duisburger Künstler
19. bis 21. Juni 2020


Raumgreifend steht für die dritte Dimension, sowohl an den Wänden, als auch auf dem Boden, an der Decke oder auf dem Podest.

Regina Bartholme + RABE Rainer Bergmann + Arno Bortz Andreas Blum + Christina Böckler + Petra Dreier & Michael Hanousek + Yvonne Höfs + Andrea Fehr + Elke Frieding + Ingrid Handzlik + Friederike Huft + Marayle Küpper + Ralf Lüttmann + Sigrid Neuwinger + Angela Schäfer + Angela Schmitz + Martin Schmitz + Gernot Schwarz + Barbara Koxholt + Hektor Troyali


Die offene Gruppierung Freie Duisburger Künstler besteht seit über 35 Jahren.
Zur abwechslungsreichen Gestaltung ihrer Ausstellungsprojekte, setzt sie nach Möglichkeit Themenschwerpunkte. Nach "Handzeichnung" und "Arbeiten mit Fotografe" im Jahr 2019, hatte sie für 2020 die Themen "R(h)einorange" für die Galerie des Lehmbruck Museums in der Bezirkbibliothek Rheinhausen und "Raumgreifend" für den Ausstellungsraum des Kunstvereins Duisburg gewählt.

Organisation: Evangelos Koukouwitakis + Klaus-Dieter Brüggenwerth
Die Ausstellung wird gefördert durch den Kulturbeirat der Stadt Duisburg






Grand Unified Theory
Christian Schreckenberger
15. Mai - 14. Juni 2020

Mit dem Titel Grand Unified Theory, den Christian Schreckenberger lange vor der Corona-Krise für seine Ausstellung im Duisburger Kunstverein wählte, sind unversehens aktuelle Deutungen möglich und vielleicht sogar zwingend geworden. Etwa:

Leben wir nicht in der einen Welt?
Ist sie aus den Fugen?
Was hält die Welt zusammen? Eine metaphysische, physikalische oder moralische Weltformel?
Was ist das Wesen der Dinge?
Wird die Natur sich versöhnen – mit dem Menschen?

Wir freuen uns sehr über Christian Schreckenbergers Bereitschaft, mit uns die neue Lage der Dinge zur Konzeption einer ‚anderen‘, einer virtuellen, visuellen und medialen Ausstellungskonzeption zu nutzen.
Doch zunächst, was soll in diesen Tagen ein Künstler mit dem Hauptprotagonisten des Kunstvereins anfangen, mit dem „gottverlassenen leeren Raum“?
Könnte vielleicht der Gedanke naheliegen, diesen Raum und damit die neue Zeit mit und nach Corona mit einer Performance wieder und nun in neuer Weise aufzuschließen, vielleicht eine Wieder-Belebung und gar Wieder-Beseelung auszuagieren?


Performance von Christian Schreckenberger zum 15. Mai 2020 in der großen Ausstellungshalle des Kunstvereins.

Wie Schüsse knallen die Sektkorken durch eine leere Halle.

In der Mitte einer beträchtlichen Auswahl bester bis billiger Sorten sitzt der Künstler wie am Straßenrand an eine Wand gelehnt und vollzieht gradlinig, ohne Feierlichkeit das Ritual der Flaschenöffnung.

Der eine oder andere Schluck kommt dabei herum, da die Flaschen überschäumen, wobei sich die eine, in festlichen Karton verpackt, besonders widerspenstig zeigt.

Der Hall verfliegt, Unschlüssigkeit und Ratlosigkeit mischen sich ein. Eine Corona-Party, allein und im leeren Raum?

Schrittweise finden sich einige, nach der letzten Ausstellung zurückgelassene Gegenstände, eine Wanne, ein Reinigungsgerät, ein Stromanschluss – und der neuen Zeit wird der Weg bereitet …

Was also hält die Welt zusammen? Worin besteht die „Grand Unified Theory“?

Eine Spur dorthin legt Figur, ein Gefüge von kongruenten, überlappenden, recht genau (soll man sagen ‚exakt‘?) aufeinander abgestimmten Formen, deren Sinn genau darin, in der Zusammenpassung zu bestehen scheint und die erst dadurch die ganze Figur bilden.
Man könnte an ein Puzzle denken, zu dem auch die Zweidimensionalität des Materials, einer Hartfaserplatte, passt: Was als Form, als Figur bleibt, ist allerdings allein durch Ausschneiden und Wegnehmen erreichbar, eine Tätigkeit, die zur Dreidimensionalität, von den Umrissen einer Figur zu Raum, etwa zur Raumtiefe und den Rundungen einer Skulptur drängt.
Während einen die Vorstellungskraft vielleicht entführt in die Weiten des Weltraums mit seinen fliegenden Gesteinsklumpen, zu einem Betonfragment mit eingeschlossenem Metallteil oder nur zu einer Kartoffel, die an Stelle des Betons dieses Metallteil biologisch umschlossen hat – während all das geschieht, verhakt sich der Blick ins Zusammenwachsen von freier (runder) Natur und menschlicher (begradigenden) Kultur – und ob sie wirklich zum Zusammenpassen bestimmt sind?
Vielleicht haben sich das auch schon jene Menschen gefragt, die vor Tausenden von Jahren riesige Form- und Linienbilder in die Landschaft gruben? Oder bewegen wir uns auf den Trampelpfaden, die Generationen in die Landschaft imprägniert haben? Kehren wir also besser ins Zweidimensionale zurück – zur Anlage eines Botanischen Gartens, eines Stadtparks (oder war es doch eine Kiesgrube?).

Christian Schreckenbergers Formexperimente loten die Bedingungen der menschlichen Wahrnehmung, der menschlichen Erfahrung und Begrenztheit aus. „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“ – heißt es bei Wittgenstein. Schreckenberger wandelt den Gedanken ab oder erweitert ihn: Die Wahrnehmung von Formen bedeuten die Grenzen meiner Welt – was sich jenseits der schwarzen Figur im Weiß befindet, wissen wir nicht …

Figur
Hartfaser, Lack; 160 x 180 cm
Foto: Johannes Bendzulla 2020

Zu Besuch im Atelier

Im Gespräch bestätigt Christian Schreckenberger die assoziativ-intuitive Anlage seiner Werke, die Bedeutung von archetypischen Zeichen und Formen, seine Versuche der „Generalisierung“ und sein Ziel, über diese Zeichen und Formen „Anlässe des Staunens“ zu schaffen.
Der Titel der Ausstellung - Grand Unified Theory – ist, das gibt Schreckenberger zu, natürlich eine Übertreibung. Der Begriff soll auch nicht als anmaßende Behauptung verstanden werden. Eher geht es um die Sehnsucht nach dem Finden einer Weltharmonie, um die Annäherung an eine ‚Weltformel‘, um die Überwindung oder Verschränkung des Disparaten, um die Verstricktheit der Teile.

Was es mit „Kritzeln“ auf sich hat, was Corona mit Künstlern und ihrem Schaffen macht und was Champagner mit dem Kunstverein im Weidenweg und mit Samuel Beckett zu tun hat, wird sich im Werkstattgespräch erschließen, zu dem Christian Schreckenberger die Kuratorin Sabine Bazan und Jobst Paul in sein Atelier nach Düsseldorf eingeladen hat.

Sabine Bazan und Jobst Paul beim Werkstattgespräch im Atelier von Christian Schreckenberger am 16. Mai 2020

Gleiches Format, gleiche Stifte – seit jeher spielt sich Christian Schreckenberger’s eigentliche Arbeit auf einer bestimmten Papiersorte ab. Was er als ‚Kritzeln‘ eher untertreibt, sind konzentrierte, suchende, experimentelle Studien zu Formen und Form-Clustern, die freilich keiner Beliebigkeit unterliegen, sondern sich – fast in der Art biologischer Sammlungen, oder einem Wandschrank mit Spezialwerkzeugen – nach Merkmalklassen fügen oder aber sich in eine evolutionäre Dynamik begeben.

Aus den Studien werden schnell Papierstöße und aus ihnen auf dem Arbeitstisch wiederum fliegende Blätter, in denen der Betrachter suchen und sich festhaken kann. Für Christian Schreckenburger dagegen dienen sie als Partituren: Dann und wann kommt es zum ‚Idealfall‘ – zu einem ‚Kritzel‘, zu einer Zeichnung, die dann nach Realisation schreit (wie im Fall der Figur).

Was freilich die ‚Idealität‘ ausmacht, erweist sich als ebenso komplex wie eindeutig: Schreckenberger beschreibt diese Idealität als Moment, wenn ein Höchstmaß von Mehrdeutigkeit mit einem Höchstmaß an Prägnanz zusammenfällt. Wobei er – wie nebenbei - einer spannenden Hinweis hinzufügt: Die Einheit und deren Prägnanz stehen auch für den Zusammenfall des Todernsten mit dem Spaß – den er gelegentlich auch provoziert. Dass er sich so von einer selbstbezogenen Kunst der Befindlichkeit abgrenzt, räumt er leidenschaftlich ein.

Dann aber steht der eigentliche Schritt, die materiale ‚Realisation‘ der Zeichnung, ja noch bevor, ein Schritt, bei dem sich die Spannung von Mehrdeutigem und Eindeutigem in andere Kategorien, in die der Zwei- und Dreidimensionalität, oder besser: in einen Zustand zwischen beiden, transponiert.

Das gilt einerseits fürs Material, denn weiter als die einfache Erhabenheit von Spanplatten möchte Schreckenberger gar nicht gehen.

Andererseits spürt man im Geflecht der Formen, in dem sie zugeschnitten, getrennt und vereint sind, Andeutungen von räumlicher Tiefe. Eine Begriff wie ‚relief-artig‘ würde Schreckenberger durchaus tolerieren.

Manchmal allerdings befreien sich die Formen oder Formcluster aus dem Programm des Künstlers und machen sich selbstständig: Dann werden sie zu leibhaftigen Gegenständen, zu Raumplastiken, die angesichts ihrer Präsenz und ihres Selbstbewusstseins vergessen machen, dass sie ‚ausdrücklich‘ zweckfrei sind.

Wir danken Christian Schreckenberger für eine eindrucksvolle virtuelle Ausstellung und für eine ebenso anregende wie beeindruckende Begegnung.


Christian Schreckenberger, Vita >>> | Web >>>
Kuratur: Sabine Bazan, Texte: Jobst Paul






SCHAUPLÄTZE
Soloausstellung mit Arbeiten des Malers Udo Scheel
29. Februar - 5. April 2020


Herbert Gorba, Kunstverein Duisburg | Sören Link, OB der Stadt Duisburg
Peter Withof im Gespräch mit Udo Scheel

  • Schauplatz, 200 x 400 cm, Öl auf Leinwand, 2018.
  • Patroille, 200 x 400 cm, Öl auf Leinwand, 2016.
  • Vater, Mutter, Kind, 200 x 400 cm, Öl auf Leinwand, 2016.
  • Spiegelverkehrt, 200 x 400 cm, Öl auf Leinwand, 2019.
  • Ausstellungsansicht/Foto: Peter Withof.
  • Udo Scheel/Foto: Ilse Wecker.
Geboren im maritimen Wismar, war Udo Scheel bis 2005 Rektor und Professor für Malerei und Grafik an der Kunstakademie in Münster. Sein Einsatz wurde nachhaltig, war keiner Schule verpflichtet und wurde zu einem Alleinstellungsmerkmal der KA Münster. Die öffentliche Ehrung seiner Arbeit um das kulturelle Leben und die Förderung künstlerischen Nachwuchses war konsequent.
Udo Scheels Themen sind Mann und Frau in wechselnden Konstellationen. Alltagsgegenstände wie ein Konzertflügel und Maritimes zählen zu seinem motivischen Repertoire. Assoziationen gehören zum Betrachter, nicht zum Bild, sagt der Künstler. Das stärkt die Stellung des Bildes im Verhältnis von Künstler, Werk und Betrachter. Das Bild selbst ist die Botschaft und Schauplatz eines offenen Angebotes. Damit eröffnen sich Fragen der Rezeption, hier der Beziehung von Werk und Betrachtenden.

Udo Scheel >>>

Kuratur: Peter Withof




Angesichter 5.0
ALI ZÜLFIKAR
18. Januar - 16. Februar 2020


Es sprachen: Herbert Gorba, Thomas Krützberg
Einführung in die Ausstellung: Jannine Koch


  • Last Epoch, Detail
  • Detail
  • Ali Zülfikar
  • Kuratorin Janinne Koch und Ali Zülfikar
  • Betrachter

„Es sind wahre Geschichten“ – Ali Zülfikar im Gespräch im Duisburger Kunstverein

Am gestrigen Sonntag, 9. Februar 2020 um 12 Uhr fand ein Gespräch zwischen dem Künstler Ali Zülfikar und Jannine Koch, Kuratorin der aktuellen Ausstellung „Angesichter 5. 0“ statt. Die Ausstellung präsentiert Arbeiten des Künstlers, die seit 2014 entstanden sind. Die meist überlebensgroßen Porträts zeigen – meist in Bleistift auf Leinwand - nicht nur Freunde oder Bekannte des Künstlers, sondern auch Vorbilder, Fremde oder – von besonderer Brisanz – Politiker wie Erdogan oder Angela Merkel.

Gewiss – wer sich Portraits leisten kann, zumal von sich selbst, will etwas darstellen, im eigentlichen Sinn. Doch damit haben Ali Zülfikars Portraitzeichnungen nichts zu tun: Vielmehr haben sie sich dem Künstler aus anderen Gründen aufgedrängt, aus Gründen, von denen er am Sonntag im Duisburger Kunstverein berichtete.

Dabei wurde vor allem eines deutlich: Zülfikars mitfühlender Blick auf Menschen in Momenten des Erstaunens, der Freude, Zuneigung, Skepsis oder Stille ist von eigenem Betroffensein erfüllt, von dem, „was ich erlebt habe“ – von einer Botschaft, welcher der Betrachter unwillkürlich und meditierend nachspürt. So berichtete der Künstler im Gespräch von Opfern des syrischen Bürgerkriegs, von ermordeten Freunden in der Türkei, von seiner eigenen Verfolgungs- und Vertreibungsgeschichte und all jenen Emotionen, die ihm keine andere Wahl lassen, als sie in seine eigene Kunst einzuschreiben.

Besonders interessierte die Besucher im Kunstverein jedoch jene Zeichnung des türkischen Machthabers Erdogan, dessen Porträtierung für Zülfikar eine kritische Auseinandersetzung mit dessen Politik und Unmenschlichkeit darstellt. Das Etikett eines ‚politischen‘ Künstlers lehnt Zülfikar trotz allem ausdrücklich ab. Vielmehr dränge ihn das Unrecht und Leiden der Menschen, die Opfer dieser Politik geworden sind, zur Verbildlichung. Auch er selbst war in der Türkei Anfeindungen ausgesetzt und saß mehrfach in Untersuchungshaft, bevor er nach Deutschland kam. Doch hier musste er schmerzhaft erfahren, wie sehr Politik und Medien auch in Deutschland dem politischen Druck aus Ankara erliegen. So wurde in einer Ausstellung in Linz am Rhein sein Porträt von Erdogan aus Furcht vor politischen Reaktionen sogar abgehängt. Nicht zuletzt mit aktuellem Blick auf die Ereignisse in Thüringen meint daher der Künstler: „Es geht weiter, wenn man als Künstler nichts dazu sagt.“

Umso verdienstvoller, dass sich die Duisburger Ausstellungsmacher hinter die künstlerische Arbeit Zülfikar stellen und damit das diesjährige Anliegen des Kunstvereins einlösen, „gesellschaftlich relevante Kunst“ zu zeigen. Hinter dieses Motto und die neue Dynamik des Kunstvereins stellte sich auch der scheidende Duisburger Kulturdezernent, Thomas Krützberg: Der Kunstverein habe sich „im städtischen Kulturleben, in der hiesigen bildenden Kunstszene mit den Museen, Kunsthallen, Galerien, Künstler- und Atelierhäusern nachhaltig positioniert“. Er sei „ein wichtiger, weil innovativer und inspirierender Bestandteil“ und „inzwischen unverzichtbar für das kulturelle, aber auch das soziale Leben“ in Duisburg geworden.

Ali Zülfikar >>>>